Roadtrips durch Europa: Routen, die man erlebt haben sollte
- 11. Okt. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Die Freiheit der offenen Straße, wechselnde Landschaften und das Erlebnis, eine Region wirklich zu durchfahren anstatt nur zu überfliegen – Roadtrips haben eine besondere Anziehungskraft. Europa bietet eine Vielfalt an Strecken, die durch atemberaubende Natur, historische Städte und kulinarische Regionen führen. Dabei ist eine gründliche Vorbereitung die Grundlage für ein gelungenes Abenteuer. Wir stellen außergewöhnliche Routen vor und erläutern, was bei der Planung zu beachten ist.Die Freiheit der offenen Straße, wechselnde Landschaften und das Erlebnis, eine Region wirklich zu durchfahren anstatt nur zu überfliegen – Roadtrips haben eine besondere Anziehungskraft. Europa bietet eine Vielfalt an Strecken, die durch atemberaubende Natur, historische Städte und kulinarische Regionen führen. Dabei ist eine gründliche Vorbereitung die Grundlage für ein gelungenes Abenteuer. Wir stellen außergewöhnliche Routen vor und erläutern, was bei der Planung zu beachten ist.

Die Faszination des Fahrens als Reiseerlebnis
Das Reisen mit dem Auto unterscheidet sich grundlegend von anderen Fortbewegungsarten. Anders als bei Flugreisen, die den Passagier von einem Ort zum anderen befördern, ohne dass die dazwischenliegende Strecke erlebt wird, macht ein Roadtrip den Weg selbst zum Ziel. Jeder Kilometer, jede Kurve, jeder Aussichtspunkt wird Teil des Erlebnisses. Diese Form des Reisens spricht Menschen an, die Wert auf Unabhängigkeit, Flexibilität und unmittelbare Erfahrung legen.
Die Entschleunigung, die mit dem Fahren einhergeht, ermöglicht eine intensive Wahrnehmung der durchquerten Regionen. Veränderungen in Landschaft, Architektur und Vegetation vollziehen sich allmählich und werden bewusst erlebt. Ein Stopp an einem unscheinbaren Dorfplatz kann zum Höhepunkt des Tages werden, ein zufällig entdecktes Restaurant zur kulinarischen Offenbarung. Diese Spontaneität und Offenheit für Unvorhergesehenes macht den Reiz des Roadtrips aus.
Gleichzeitig stellt das Reisen mit dem eigenen Fahrzeug Anforderungen an Planung und Vorbereitung. Die Zuverlässigkeit des Autos, ausreichende Versicherungsdeckung, Kenntnis der Verkehrsregeln in den durchquerten Ländern und eine realistische Einschätzung der Fahrzeiten tragen maßgeblich zum Gelingen bei. Ein Roadtrip, der durch übermäßige Fahrbelastung zum Stressfaktor wird, verfehlt seinen Zweck.
Die Atlantikküste: Von der Bretagne bis nach Portugal
Eine der eindrucksvollsten Routen Europas führt entlang der Atlantikküste von Frankreich nach Portugal. Die Strecke vereint raue Küstenlandschaften, historische Hafenstädte und einige der besten Weinregionen des Kontinents. Die Gesamtdistanz von etwa 2.000 Kilometern lässt sich in zwei bis drei Wochen komfortabel bewältigen, wobei ausreichend Zeit für Erkundungen eingeplant werden sollte.
Die französische Atlantikküste beginnt in der Bretagne mit ihren zerklüfteten Felsen, pittoresken Fischerdörfern und der eigenständigen keltischen Kultur. Die mittelalterlichen Stadtkerne von Vannes und Quimper bieten einen ersten Einblick in die Geschichte der Region. Weiter südlich erstrecken sich die endlosen Sandstrände der Vendée und der Charente-Maritime. Die Île de Ré, über eine elegante Brücke erreichbar, verkörpert mit ihren weißgetünchten Häusern und Salzgärten die Essenz französischer Lebensart.
Die spanische Nordküste, die Costa Verde, präsentiert sich überraschend grün und bergig. Das Baskenland mit seiner einzigartigen Kultur und Gastronomie verdient besondere Aufmerksamkeit. San Sebastián gilt vielen als kulinarische Hauptstadt Spaniens, und die Pintxo-Bars der Altstadt bieten einen ungezwungenen Einstieg in die baskische Küche. Weiter westlich durchquert die Route Asturien und Galicien, wo die Pilgerstadt Santiago de Compostela einen natürlichen Höhepunkt bildet.
Der portugiesische Teil der Strecke führt durch den grünen Norden des Landes, bevor Porto am Douro erreicht wird. Die Stadt, bekannt für ihren Portwein und ihre fotogene Altstadt, eignet sich hervorragend für einen längeren Aufenthalt. Von hier bietet sich die Möglichkeit, den Douro flussaufwärts zu erkunden, wo Weinberge die steilen Uferhänge bedecken. Die Route endet an der Algarve, wo dramatische Klippen und verborgene Buchten die Atlantikküste abschließen.
Die Alpenüberquerung: Klassische Pässe und verborgene Täler
Die Alpen bieten einige der spektakulärsten Fahrstrecken Europas. Die Kombination aus technisch anspruchsvollen Passstraßen, atemberaubenden Panoramen und der Möglichkeit, innerhalb weniger Stunden klimatische und kulturelle Grenzen zu überqueren, macht eine Alpenüberquerung zu einem besonderen Erlebnis. Die Saison für Hochalpenpässe erstreckt sich typischerweise von Juni bis Oktober, wobei einzelne Strecken länger geöffnet sein können.
Der Großglockner-Hochalpenstraße in Österreich gebührt ein Platz unter den schönsten Alpenstraßen. Die 48 Kilometer lange Strecke überwindet 36 Kehren und erreicht am Hochtor eine Höhe von 2.504 Metern. Die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe bietet einen direkten Blick auf den Großglockner, Österreichs höchsten Gipfel, und den Pasterze-Gletscher. Die Straße ist mautpflichtig, was zur Erhaltung der Infrastruktur und zur Begrenzung des Verkehrsaufkommens beiträgt.
In der Schweiz reihen sich legendäre Pässe aneinander. Der Gotthardpass verbindet die deutsche und italienische Schweiz seit Jahrhunderten und bietet die Wahl zwischen der historischen Passstraße mit ihrem charakteristischen Kopfsteinpflaster und dem modernen Tunnel. Der Furkapass, bekannt aus dem James-Bond-Film Goldfinger, führt am Rhonegletscher vorbei. Die Kombination mehrerer Pässe zu einer Rundfahrt ermöglicht es, die Vielfalt der alpinen Landschaften an einem Tag zu erleben.
Die italienische Seite der Alpen beeindruckt mit den Dolomiten, deren schroffe Gipfel eine einzigartige Kulisse bilden. Das Stilfser Joch, mit 2.757 Metern der höchste Gebirgspass Italiens, fordert mit 48 Kehren auf der Nordseite auch erfahrene Fahrer. Die Passstraße ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst und ein Pilgerort für Motorradfahrer und Rennradfahrer aus aller Welt.
Skandinavien: Fjorde, Nordkap und endlose Weiten
Eine Reise durch Skandinavien führt in Landschaften, die sich fundamental von Mitteleuropa unterscheiden. Die schiere Weite, die geringe Bevölkerungsdichte und die während der Sommermonate fast endlosen Tage schaffen eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Die Distanzen sind beträchtlich, und eine realistische Planung muss dies berücksichtigen.
Die norwegische Westküste mit ihren Fjorden gehört zu den dramatischsten Landschaften Europas. Der Geirangerfjord und der Nærøyfjord sind UNESCO-Welterbestätten, deren steile Felswände direkt aus dem tiefblauen Wasser aufsteigen. Die Straßen winden sich an den Fjordufern entlang, durchqueren Tunnel und überqueren Brücken, die schwindelerregende Abgründe überspannen. Die Atlantikstraße, die über mehrere Brücken von Insel zu Insel führt, gilt als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt.
Wer den Weg bis zum Nordkap fortsetzt, erreicht den nördlichsten per Straße erreichbaren Punkt des europäischen Festlands. Die Fahrt durch Finnmark, Europas letzte Wildnis, führt durch Landschaften, in denen die Rentierherden der Samen weiden. Die Mitternachtssonne, die im Sommer nicht untergeht, verwandelt die Nächte in endlose Dämmerung und ermöglicht Fahrten zu jeder Tageszeit.
Die Rückfahrt kann durch Schweden und Finnland erfolgen und bietet einen Kontrast zu den norwegischen Fjorden. Die schwedischen Wälder und Seenplatten haben eine eigene, ruhigere Schönheit. Stockholm verdient als eine der elegantesten Hauptstädte Europas einen Besuch, bevor die Route entweder per Fähre oder über die Öresundbrücke nach Dänemark und zurück nach Mitteleuropa führt.
Praktische Aspekte der Routenplanung
Die Planung eines längeren Roadtrips erfordert eine Balance zwischen Struktur und Flexibilität. Eine zu detaillierte Vorausplanung nimmt dem Reisen die Spontaneität, während zu wenig Vorbereitung in Stress und logistischen Problemen münden kann. Einige grundlegende Überlegungen helfen, den richtigen Mittelweg zu finden.
Die Tagesetappen sollten realistisch bemessen sein. Professionelle Langstreckenfahrer legen selten mehr als 500 Kilometer am Tag zurück, und für Touristen, die zwischendurch anhalten und die Umgebung genießen möchten, sind 200 bis 300 Kilometer eine sinnvolle Obergrenze. Die reine Fahrzeit sagt wenig über die tatsächliche Reisedauer aus: Pausen, Fotostopps, Tanken und unvorhergesehene Verzögerungen addieren sich schnell.
Die Unterkunftsfrage kann unterschiedlich gehandhabt werden. Vorausbuchungen geben Sicherheit, insbesondere in der Hochsaison und an beliebten Destinationen. Gleichzeitig schränken sie die Flexibilität ein und zwingen zu Etappen, die möglicherweise nicht dem aktuellen Empfinden entsprechen. Ein Kompromiss besteht darin, nur die erste und letzte Unterkunft sowie Übernachtungen an bekanntermaßen stark frequentierten Orten zu buchen und den Rest spontan zu entscheiden.
Die Verkehrsregeln und Mautbestimmungen der durchquerten Länder verdienen gründliche Recherche. Tempolimits, Promillegrenzen, Lichtpflicht und Mitsicherungspflichten variieren erheblich. Mautsysteme reichen von Streckenmaut über Vignetten bis hin zu elektronischen Erfassungssystemen. Die Unwissenheit schützt nicht vor Bußgeldern, die gerade im Ausland überraschend hoch ausfallen können.
Fahrzeugvorbereitung für die lange Strecke
Ein Roadtrip stellt höhere Anforderungen an das Fahrzeug als der alltägliche Pendelverkehr. Die Vorbereitung des Autos beginnt idealerweise einige Wochen vor der Abreise und umfasst sowohl technische Überprüfungen als auch praktische Ausstattungsfragen.
Eine Inspektion durch die Fachwerkstatt deckt potenzielle Schwachstellen auf, bevor sie zum Problem werden. Bremsbeläge, Reifen, Flüssigkeitsstände, Beleuchtung und Batterie sollten überprüft werden. Verschleißteile, die sich dem Ende ihrer Lebensdauer nähern, werden besser vor der Reise ausgetauscht als unterwegs in einer unbekannten Werkstatt.
Der Reifenzustand verdient besondere Aufmerksamkeit. Die Profiltiefe sollte deutlich über dem gesetzlichen Minimum liegen, da abgefahrene Reifen bei Nässe und auf Passstraßen zum Sicherheitsrisiko werden. Der Reifendruck muss an die Beladung angepasst werden; ein voll beladenes Fahrzeug erfordert höheren Druck als im Normalbetrieb. Die Hinweise in der Bedienungsanleitung oder auf dem Aufkleber im Türrahmen geben die korrekten Werte an.
Die Ladungssicherung im Fahrzeuginneren wird häufig unterschätzt. Lose Gegenstände werden bei einer Vollbremsung oder einem Aufprall zu gefährlichen Geschossen. Koffer und Taschen gehören in den Kofferraum oder hinter ein Trennnetz. Schwere Gegenstände werden möglichst tief und nah an der Rückbank platziert, um den Schwerpunkt niedrig zu halten und das Fahrverhalten nicht negativ zu beeinflussen.





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