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Reifenpanne: Diese Hilfsmittel gehören ins Auto

  • Autorenbild: Verkehrssicherheits Check
    Verkehrssicherheits Check
  • 13. Nov. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Eine Reifenpanne kommt meist unerwartet und trifft Autofahrer oft an ungünstigen Orten und zu ungünstigen Zeiten. Die Zeiten, in denen jedes Fahrzeug selbstverständlich ein vollwertiges Ersatzrad an Bord hatte, sind weitgehend vorbei. Moderne Fahrzeuge setzen auf Platzeinsparung und bieten alternative Lösungen, die ihre eigenen Vor- und Nachteile mitbringen. Wir erläutern, welche Hilfsmittel bei einer Reifenpanne tatsächlich weiterhelfen und was bei einer Panne zu beachten ist.



Der Wandel der Ersatzradkonzepte


Über Jahrzehnte gehörte das vollwertige Ersatzrad zur Standardausstattung jedes Automobils. Im Kofferraumboden oder unter dem Fahrzeugheck befand sich ein Reifen in voller Größe, der im Pannenfall montiert werden konnte und anschließend die normale Weiterfahrt ohne Einschränkungen ermöglichte. Dieses Konzept hatte einen entscheidenden Vorteil: Nach dem Radwechsel war der Fahrer nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Reichweitenobergrenzen gebunden.


Die Fahrzeugindustrie hat sich aus verschiedenen Gründen von diesem Konzept verabschiedet. Gewichtsreduzierung zur Verbrauchssenkung, Platzgewinn im Kofferraum und Kosteneinsparungen haben dazu geführt, dass vollwertige Ersatzräder heute nur noch selten serienmäßig mitgeliefert werden. An ihre Stelle sind Notlaufräder, Reifenpannensets und Runflat-Reifen getreten. Jede dieser Alternativen hat spezifische Eigenschaften, die ihre Anwendung bestimmen.


Das Notlaufrad, oft als Sparrad oder Notrad bezeichnet, ist kleiner und schmaler als die regulären Fahrzeugreifen. Es dient ausschließlich dazu, die nächste Werkstatt zu erreichen, und unterliegt einer Geschwindigkeitsbegrenzung von üblicherweise 80 Kilometern pro Stunde. Längere Strecken oder hohe Geschwindigkeiten können das Notrad beschädigen und das Fahrverhalten des Fahrzeugs beeinträchtigen. Trotz dieser Einschränkungen bietet es den Vorteil, eine Weiterfahrt aus eigener Kraft zu ermöglichen.


Reifenpannensets und ihre Funktionsweise


Viele aktuelle Fahrzeuge werden mit einem Reifenpannenset anstelle eines Ersatzrades ausgeliefert. Diese Sets bestehen typischerweise aus einem Kompressor und einer Dichtflüssigkeit. Das Prinzip ist einfach: Die Dichtflüssigkeit wird über das Ventil in den beschädigten Reifen eingefüllt, anschließend wird der Reifen mit dem Kompressor aufgepumpt. Während der Fahrt verteilt sich die Flüssigkeit im Reifeninneren und verschließt kleinere Beschädigungen von innen.


Die Vorteile dieses Systems liegen in der kompakten Größe und dem geringen Gewicht. Das gesamte Set passt in eine kleine Tasche und beansprucht kaum Stauraum. Zudem erfordert die Anwendung keinen Radwechsel, was besonders für Personen attraktiv ist, die sich einen Reifenwechsel nicht zutrauen oder körperlich nicht in der Lage sind, die schweren Räder zu handhaben.

Den Vorteilen stehen jedoch erhebliche Einschränkungen gegenüber.


Reifenpannensets funktionieren nur bei bestimmten Schadensarten. Kleine Einstiche durch Nägel oder Schrauben lassen sich abdichten, größere Risse oder Schäden an der Reifenflanke hingegen nicht. Bei einem Reifenplatzer ist das Set wirkungslos. Auch die temporäre Natur der Reparatur ist zu beachten: Der Reifen muss zeitnah von einer Fachwerkstatt begutachtet werden, und in vielen Fällen ist ein Austausch erforderlich, da die Dichtflüssigkeit eine dauerhafte Reparatur verhindert.


Runflat-Reifen als moderne Alternative


Eine technisch anspruchsvollere Lösung stellen Runflat-Reifen dar. Diese Spezialreifen verfügen über verstärkte Seitenwände, die das Fahrzeuggewicht auch bei vollständigem Luftverlust tragen können. Nach einer Reifenpanne ist die Weiterfahrt für eine begrenzte Strecke möglich, üblicherweise 80 Kilometer bei maximal 80 Stundenkilometern.


Der Vorteil von Runflat-Reifen liegt in der Sicherheit des kontrollierten Luftverlusts. Bei einem konventionellen Reifen kann ein plötzlicher Druckabfall zu einem gefährlichen Fahrzeugverhalten führen. Runflat-Reifen hingegen ermöglichen es, das Fahrzeug sicher zum Stehen zu bringen und anschließend aus eigener Kraft eine Werkstatt anzufahren. Diese Eigenschaft ist besonders wertvoll auf Autobahnen oder in Gebieten ohne Pannenhilfe.


Die Nachteile von Runflat-Reifen betreffen vor allem den Fahrkomfort und die Kosten. Die verstärkten Seitenwände sind weniger elastisch als bei konventionellen Reifen, was sich in einem härteren Abrollverhalten bemerkbar macht. Unebenheiten der Fahrbahn werden stärker an die Insassen weitergegeben. Zudem sind Runflat-Reifen teurer in der Anschaffung und können nicht auf jeder Felge montiert werden. Fahrzeuge mit Runflat-Bereifung benötigen außerdem zwingend ein Reifendruckkontrollsystem, da der Luftverlust ohne Drucküberwachung nicht bemerkt werden würde.


Der klassische Radwechsel


Trotz aller modernen Alternativen bleibt der klassische Radwechsel eine grundlegende Fertigkeit für Autofahrer. Wer über ein Ersatzrad verfügt oder ein beschädigtes Rad gegen ein intaktes austauschen muss, sollte den Ablauf kennen und geübt haben. Die notwendigen Werkzeuge befinden sich bei den meisten Fahrzeugen im Kofferraum oder unter dem Ladeboden.


Der Wagenheber hebt das Fahrzeug an, sodass das Rad frei schwebt und abgenommen werden kann. Die korrekte Positionierung des Wagenhebers ist entscheidend: Jedes Fahrzeug verfügt über verstärkte Aufnahmepunkte in der Karosserie, die das Gewicht tragen können. Das Ansetzen an falscher Stelle kann zu Karosserieschäden führen oder den Wagenheber abrutschen lassen. Die Bedienungsanleitung des Fahrzeugs zeigt die korrekten Ansatzpunkte.


Das Radkreuz oder der Radmutternschlüssel dient zum Lösen und Festziehen der Radmuttern oder Radschrauben. Das Lösen erfolgt vor dem Anheben des Fahrzeugs, da das Rad sonst mitdreht. Nach dem Anheben werden die Schrauben vollständig entfernt, das Rad abgenommen und das Ersatzrad aufgesetzt. Die Radschrauben werden zunächst handfest und über Kreuz angezogen, um einen gleichmäßigen Sitz zu gewährleisten. Das endgültige Festziehen mit dem vorgeschriebenen Drehmoment erfolgt nach dem Ablassen des Fahrzeugs, idealerweise mit einem Drehmomentschlüssel.


Sicherheitsaspekte bei der Pannenbehebung


Die Behebung einer Reifenpanne am Straßenrand birgt erhebliche Gefahren durch den vorbeifahrenden Verkehr. Die Absicherung der Pannenstelle hat daher höchste Priorität, noch vor den eigentlichen Reparaturarbeiten. Das Anlegen der Warnweste und das Aufstellen des Warndreiecks sind die ersten Handlungen nach dem Anhalten.


Die Wahl des Anhalteortes beeinflusst die Sicherheit maßgeblich. Auf Autobahnen sollte nach Möglichkeit eine Nothaltebucht oder ein Parkplatz angesteuert werden. Der Standstreifen ist nur im äußersten Notfall zu nutzen und bietet keinen sicheren Arbeitsbereich. Wer auf dem Standstreifen anhalten muss, sollte das Fahrzeug so weit wie möglich nach rechts fahren und die Insassen hinter die Leitplanke in Sicherheit bringen.


Auf Landstraßen ist eine übersichtliche Stelle mit ausreichendem Seitenstreifen die beste Wahl. Kurven, Kuppen und unübersichtliche Streckenabschnitte sind zu meiden. Bei Dunkelheit oder schlechter Sicht verschärfen sich die Anforderungen. Die Beleuchtung des Fahrzeugs sollte eingeschaltet bleiben, und zusätzliche Warnleuchten erhöhen die Sichtbarkeit.


Die eigentlichen Arbeiten am Fahrzeug sollten zügig, aber ohne Hektik durchgeführt werden. Ein unter Zeitdruck falsch angezogenes Rad kann sich während der Fahrt lösen, mit potenziell katastrophalen Folgen. Wer sich den Radwechsel nicht zutraut oder die Situation als zu gefährlich einschätzt, sollte professionelle Hilfe anfordern. Die Pannendienste der Automobilclubs und viele Versicherungen bieten Assistanceleistungen an, die einen sicheren Radwechsel durch geschultes Personal umfassen.


Regelmäßige Kontrolle der Pannenausrüstung


Die beste Pannenausrüstung nützt wenig, wenn sie im Ernstfall nicht einsatzbereit ist. Eine regelmäßige Überprüfung der vorhandenen Hilfsmittel sollte zur Routine jedes Fahrzeughalters gehören. Bei Ersatzrädern und Notlaufrädern betrifft dies vor allem den Reifendruck. Ein Ersatzrad, das über Monate oder Jahre unbeachtet im Kofferraum liegt, verliert kontinuierlich Luft und ist im Pannenfall möglicherweise nicht mehr fahrbereit.


Reifenpannensets haben ein Verfallsdatum, das auf der Dichtflüssigkeit angegeben ist. Nach Ablauf dieses Datums kann die Wirksamkeit der Flüssigkeit nicht mehr garantiert werden. Der Kompressor sollte gelegentlich getestet werden, um sicherzustellen, dass er funktioniert und der Schlauch intakt ist. Bei Fahrzeugen mit 12-Volt-Anschluss empfiehlt sich eine Probeverbindung, um Kontaktprobleme auszuschließen.


Der Wagenheber verdient ebenfalls Aufmerksamkeit. Mechanische Wagenheber können durch Korrosion schwergängig werden, hydraulische Modelle können Öl verlieren. Ein kurzer Funktionstest im eigenen Garagenhof gibt Gewissheit, dass das Gerät im Ernstfall funktioniert. Auch die Radmuttern oder Radschrauben sollten sich mit dem mitgelieferten Werkzeug lösen lassen. Festsitzende Schrauben können den Radwechsel am Straßenrand unmöglich machen.

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